Zum Hauptinhalt springen

EXPEDITION EXTREM: XXL-TOUR DURCH DIE EISWELT DES DENALI

Zehn Tage bei gefühlten minus 40 Grad. Sturmböen mit mehr als 80 km/h. Wir sind zu sechst. Haben nur das Nötigste an Ausrüstung bei uns und 84 Kilometer durch eine Welt aus Eis und Schnee vor uns. Der Denali markiert mit 6.190 Metern den höchsten Punkt Nordamerikas – und von den Seven Summits ist er der wohl am meisten unterschätzte. Size does not matter. Eine Extremexpedition als ultimativer Echttest für die Touring-Serie von VAN DEER-Red Bull Sports. Für uns ist der Denali ein Achttausender, auch wenn er keiner ist: Am Ende werden wir 8.562 Höhenmeter im Aufstieg und ähnlich viele in der Abfahrt in den Beinen haben. Protokoll einer XXL-Skitour.

Als das Flugzeug vom Kahiltna-Gletscher wieder abhebt und sein Motorenlärm am Horizont verhallt, bleibt nur mehr diese eisige Weite zurück – und wir sechs mitten in ihr. Unsupported. Für uns bedeutet das: keine Bergführer, keine Träger, kein zusätzlicher Sauerstoff, kein Nachschub.

Ich bin Sabrina Krammer und wie Sebastian Scheichl Touring Ambassador für VAN DEER–Red Bull Sports. Im Expeditionsteam sind auch noch Tom Czermak, Thomas Herdieckerhoff, David Schuchter und Schuyler Jorgensen. Planung, Campaufbau, Kochen, Materiallogistik, Akklimatisierung, jede Wetter- und Sicherheitsentscheidung – alles auf dieser Tour liegt in unserer alleinigen Verantwortung.

Von jetzt an haben wir nur uns. Und 350 Kilogramm Expeditionsausrüstung. Verglichen mit den rund 1,4 Tonnen an Vorräten und Material, welche die Erstbesteiger 1913 mit Hundeschlitten zum Berg transportierten, ist das wenig. Bis zu 55 Kilogramm zusätzlich zum eigenen Körpergewicht durch diese Welt aus Eis und Schnee zu manövrieren, fühlt sich dagegen nicht nach wenig an.

Sabrina Krammer auf Skitour im Schnee. Sie trägt einen großen Rucksack und zieht an ihrer Hüfte einen kleinen Schlitten mit weiterem Equipment hinter sich her.
Ein kleines Camp im Schnee mit aufgebauten Zelten und Ausrüstung. Mehrere VAN DEER-Red Bull Sports Ski stehen im Schnee

Warum ausgerechnet der Denali?

Mit 6.190 Metern ist der Denali kein Achttausender. Und dennoch einer der anspruchsvollsten Seven Summits. Denn Höhe ist relativ: Der Berg liegt auf rund 63 Grad nördlicher Breite, nahe am Polarkreis. Durch die nördliche Lage fühlt sich Höhe physiologisch deutlich anspruchsvoller an. Zwischen Basecamp (auf rund 2.200 Metern) und Gipfel liegen fast 4.000 Netto-Höhenmeter. Doch durch Materialtransporte, Depot-Einrichtung und Akklimatisierungsrotationen gehen wir viele Abschnitte mehrfach und werden am Ende doch noch einen Achttausender bestiegen haben.

Der Denali ist weder ein Modeberg noch ein Peoplepleaser: riesige Gletscherflächen, gefährliche Spaltenregionen, dramatische Wetterumschwünge, Whiteouts, Sturm und diese erbarmungslose Abgeschiedenheit charakterisieren ihn. Ein Berg mit Geschichte. 1972 fuhr der Schweizer Sylvain Saudan, der „Skier of the Impossible“, erstmals die steile Rinne ab, die Messner Couloir heißt. 1976 durchstiegen Reinhold Messner und der österreichische Höhenmediziner Oswald Oelz die Direttissima erstmals bergauf.

Fünf Jahrzehnte später wählen wir eine andere Route, einen anderen Expeditionsstil: Nicht der höchste Punkt Nordamerikas allein macht für uns die Anziehungskraft aus, sondern auch die Once-in-a-Lifetime-Skiabfahrt, die dort für uns beginnen wird.

Der Aufbruch in die Welt aus Eis und Schnee

28. Mai 2026. Dieser letzte Abendflug von Talkeetna ins Denali Basecamp wird uns allen als der schönste Flug unseres Lebens in Erinnerung bleiben. Unter uns die endlosen Gletscher und steilen Eiswände der Alaska Range – atemberaubend, ein Stück heiler, unberührter Welt. Von oben erkennen wir, wie klein wir wirklich sind. Erst recht, als wir zu sechst in ihr auf uns gestellt sind und den Aufstieg zu Camp 1 in Angriff nehmen. Gegen Mitternacht steht unser erstes Lager. Sobald die Sonne hinter den Gipfeln verschwindet, fällt die Temperatur drastisch. Alles außerhalb unserer Schlafsäcke gefriert in kürzester Zeit.

Am nächsten Tag machen wir die erste Rotation direkt von Camp 1 nach Camp 3 auf rund 3.400 Meter. Aufsteigen, Ausrüstung deponieren, abfahren, tiefer schlafen: In diesem Rhythmus arbeiten wir uns Schritt für Schritt nach oben und gewöhnen unsere Körper langsam an die Höhe. 350 Kilogramm Expeditionsgepäck – Zelte, Lebensmittel, Gas, Sicherheits- und persönliche Ausrüstung, Ski, Ersatzteile – müssen mit. Auf den belastungsintensiven Etappen trägt jeder 25 bis 30 Kilogramm am Rücken und zieht weitere 20 bis 25 Kilogramm im Schlitten. Bis zu 55 Kilogramm Last pro Person, mehr als zwei volle Zementsäcke, die jeder von uns den Berg hinaufbewegt. Der Traum von Denali wiegt schwer.

Skifahren mit Last ist learning by doing. In Querungen zieht der Schlitten talwärts, bei Richtungswechseln kippt er zur Seite, in unruhigem Schnee hängt er am Gurt und arbeitet gegen jede Bewegung. Mit einigen kreativen Manövern entwickeln wir schnell eine Technik, die funktioniert.

Wir sind mit den VAN DEER-Red Bull Sports Modellen TOUR 75 und TOUR 85 unterwegs. Der ultimative Echttest! Am Denali muss ein Ski nämlich das gewisse Alles haben: leicht genug für rund 4.000 Höhenmeter Aufstieg, gleichzeitig stabil, laufruhig und präzise genug für wechselnde Bedingungen von Blankeis, über Wind- und Bruchharsch bis zu Pulverschnee – alles mit schwerem Rucksack und müden Beinen. Die Kanten brauchen Grip auf Eis; Bindungen, Felle und Harscheisen müssen auch extremer Kälte und Vereisung standhalten. Ein Materialdefekt ist hier keine Unannehmlichkeit, er kann das Leben und die Expedition gefährden.

Windy Corner: eine stürmische Ecke

Von Camp 3 führt die Route zu Camp 4 auf 4.300 Metern. Es ist erst Tag fünf, deutlich früher als geplant. Nach einem stürmischen Ruhetag öffnet sich ein neues Wetterfenster, und wir fühlen uns bereit für die ersten Schlüsselstellen: steilere Aufschwünge, eisige Querungen und Passagen wie Squirrel Hill und Windy Corner. Letzterer heißt nicht ohne Grund so – eine stürmische Ecke. Stellenweise schimmert blankes Eis durch den Schnee. Der Schlitten zieht nach unten, der Rucksack nach hinten, der Wind schiebt brutal von der Seite. Müssen die Ski in einer steilen Passage am Rucksack befestigt werden, wird der Montagewinkel wichtig, damit die Ski nicht zu Segeln werden. An stürmischen Tagen erleben wir Windgeschwindigkeiten von 60 bis 80 km/h, der Windchill fällt bis etwa minus 40 Grad. Der Wert für sich sagt wenig aus. Es ist die Summe aller Faktoren.

In Camp 4 zeigt sich, dass unser schneller Aufstieg bei jedem anders nachwirkt. Tom ist seit Camp 3 angeschlagen, Schuyler spürt die Höhe und entscheidet sich gegen einen frühen Gipfelversuch. Gleichzeitig kündigt die Prognose weiter oben Sturm an. Der 5. Juni könnte unsere letzte stabile Chance sein.

Ein Team zu sein heißt in diesem Moment nicht, dass alle dasselbe tun. Es heißt, einander unterschiedliche, individuell richtige Entscheidungen zu ermöglichen.

Am 3. Juni steigen David und Thomas zur Akklimatisierung über das Rescue Gully bis zum Denali Pass. Für die Abfahrt wählen sie eine unverspurte Rinne. In einem vereisten Abschnitt stürzt David, überschlägt sich und kann sich gerade noch halten. Er verliert seinen Pickel, sammelt sich, setzt die Abfahrt fort. Sebi und ich gehen an diesem Tag bewusst kürzer. Wir spüren die Etappen in den Beinen und im Rücken. Am Abend legen wir unsere Gipfelstrategien zusammen in Camp 4 fest. David und Thomas wollen direkt aus Camp 4 starten. Sebi und ich entscheiden uns für eine Nacht im High Camp 5. Tom und Schuyler geben sich mehr Zeit und wollen ihre Chance einige Tage später nutzen.

Über die Headwall ins High Camp

Am 4. Juni, Tag acht unserer Expedition, steigen Sebi und ich mit schweren Rucksäcken zu Camp 5 auf 5.200 Metern. In alpinen Passagen wechseln wir von Skiern auf Steigeisen. Über die Headwall, eine rund 50 Grad steile Eiswand mit Fixseilen, gewinnen wir an Höhe. In den steilsten Passagen, die bis etwa 55 Grad erreichen, bleiben die Ski am Rücken.

Nach der Headwall folgt der ausgesetzte Grat zum High Camp. Als wir ankommen, liegt unter uns ein Wolkenmeer. Mount Foraker und Mount Hunter ragen im Abendlicht daraus hervor, ehe die Sonne für wenige Stunden hinter dem Horizont verschwindet. Der Sonnenuntergang auf über 5.000 Metern ist ein Moment, der kaum zu beschreiben ist.

Vier Skitourengeher sind auf dem Weg, den Denali zu besteigen. Alle ziehen einen Schlitten mit Equipment hinter sich her

Der höchste Punkt ist erst die Hälfte

Am 5. Juni, Tag neun, ist Gipfeltag. Sebi und ich starten bewusst später. Zuerst queren wir die sogenannte Autobahn, einen steilen Hang hinauf zum Denali Pass. Der Abschnitt ist technisch nicht extrem anspruchsvoll, aber ausgesetzt genug, dass jeder Schritt sauber sitzen muss. Am Pass treffen wir David und Thomas. Sie sind direkt aus Camp 4 aufgebrochen. Ihr Tourentag wird am Ende zwölf Stunden dauern: mehr als 2.000 Höhenmeter hinauf zum Gipfel und dieselbe Höhendifferenz auf Ski zurück nach Camp 4.

Von hier zieht sich die Route über den oberen Berg. Die Sonne scheint, doch der Wind wird stärker und schneidend kalt. Das Atmen fällt schwerer, unser Tempo wird langsamer. Diese letzten 200 Höhenmeter erscheinen endlos. Der Gipfelgrat ist sichtbar, doch er kommt kaum näher – ein Mental Game auf 6.000 Metern.  David und Thomas erreichen den Gipfel vor uns. Wegen des heftigen Windes bleiben sie nur kurz und fahren direkt ab. Unterhalb des Gipfelhangs kommen sie uns entgegen. Für sie beginnt die lange Rückkehr ins Camp 4.

Wir haben die letzten Meter noch vor uns. Dann lässt der Wind langsam nach. Die Sonne steht tief, es ist fast Mitternacht. Sebi und ich gehen über den letzten Grat und stehen schließlich allein auf dem höchsten Punkt Nordamerikas. Neun Tage sind vergangen, seit wir aus dem Flugzeug gestiegen sind. Unter uns liegt die Alaska Range im goldenen Licht. Weit, still und unwirklich. Für einen Moment rückt die ganze Anstrengung in den Hintergrund. Am Gipfel des Denali zu stehen, ist kaum zu begreifen und noch schwerer zu beschreiben. Wir sind erschöpft, durchgefroren und erleichtert – mit Freudentränen in den Augen und tiefem Respekt vor diesem Berg und der bevorstehenden Abfahrt. Denn kein Gipfel ist ein Hauptwohnsitz.

Eine Skiabfahrt mit 4.000 Höhenmetern

Wir schnallen die Ski direkt am höchsten Punkt Nordamerikas an. Die ersten Meter sind schwierig. Auf über 6.000 Metern sind Sauerstoffmangel und Müdigkeit in jeder Bewegung spürbar. Selbst einfache Schwünge verlangen hier volle Konzentration.

Nach etwa 200 Höhenmetern kommt durch den höheren Sauerstoffgehalt neue Energie und der Körper besser in Bewegung. Das Gelände öffnet sich, die Schwünge werden flüssiger. Im Frühsommer wird es hier oben kaum vollständig dunkel: Wir fahren durch eine lange Mitternachtsstimmung – eiskalt und unbeschreiblich schön. Kapuzen, Helme und Haare sind von einer weißen Eisschicht überzogen. Am Gipfeltag haben wir etwa 8.000 Kilokalorien verbrannt. Als wir Camp 5 erreichen, sind wir vollkommen erschöpft und gleichzeitig unfassbar glücklich.

Sabrina Krammer macht eine Pause und isst. Sie trägt eine weiße VAN DEER-Red Bull Sports Cap, im Hintergrund sind Berge zu sehen
Im Hintergrund sind mehrere Zelte zu sehen. Im Vordergrund stehen der TOUR 75 sowie Skistöcke von VAN DEER-Red Bull Sports

Am nächsten Tag fahren wir ins Camp 4 ab, packen unsere Ausrüstung zusammen und beladen ein letztes Mal die Schlitten. Dann geht es in einer langen Etappe hinunter zum Basecamp. Zwischen Gipfel und Basecamp liegen fast 4.000 Höhenmeter, verteilt auf zwei Tage.

Auch in der Abfahrt schenkt uns der Denali mit seinen ständig wechselnden Schneebedingungen nichts. Gerade unter diesen Bedingungen zeigt sich, worauf es bei einem Tourenski ankommt: verlässlicher Kantengriff auf Eis, Stabilität bei wechselnden Schneeverhältnissen und eine kontrollierbare Abfahrt – selbst mit schwerem Rucksack und müden Beinen.

Zurück am Ausgangspunkt, wo vor zehn Tagen alles begann. Ein letzter Blick auf die Uhr, bevor wir wieder das Flugzeug zurück in die Zivilisation besteigen. Das Tourenprotokoll macht stolz: 84 Kilometer, 8.562 Höhenmeter im Aufstieg und annähernd ebenso viele in der Abfahrt. Für uns ist der Denali also doch ein Achttausender. Zahlen können die Dimension dieser Expedition umreißen. Nicht beschreiben können sie das Gefühl, nach Tagen voller Wind, Kälte und Strapazen wieder im Flugzeug zu sitzen und auf diese riesige weiße Welt hinunterzusehen.

Wenige Tage später erreichen auch Tom und Schuyler vom High Camp aus den Gipfel des Denali. Jeder von uns hat ihn auf eigene Weise erlebt. Mit anderen Momenten, anderem Flow, anderen Kämpfen und anderen Entscheidungen. Und diese Erfahrung wird uns als Team für immer miteinander verbinden.

Melde dich für unseren VAN DEER-Red Bull Sports E-Mail-Newsletter an und erhalte Informationen und Angebote in Bezug auf unsere Produkte, Athleten und Veranstaltungen. Die VAN DEER-Red Bull Sports Equipment GmbH wird die von dir bereitgestellten Kontaktdaten, wie deinen Namen, Standort, Sprache und deine E-Mail-Adresse, zu diesem Zweck verwenden. Falls du deine Meinung änderst, kannst du dich jederzeit kostenfrei vom Newsletter abmelden. Weitere Informationen findest du in unserer Datenschutzrichtlinie.